Litauen warnt vor chinesischen 5G-Smartphones
Artikel von Golem.de
Die litauische Regierung rät von der Nutzung chinesischer Smartphones ab. Diese könnten heruntergeladene Inhalte zensieren.
Artikelveröffentlicht am22. September 2021, 14:30 Uhr, Friedhelm Greis

Das litauische Zentrum für Cybersicherheit warnt vor Sicherheitsproblemen bei der Nutzung chinesischer 5G-Smartphones. Eine Untersuchung von Geräten der Hersteller Huawei, Xiaomi und Oneplus habe vier bedeutsame Sicherheitsrisiken ergeben, teilte das litauische Verteidigungsministerium mit. Diese betrafen die Hersteller Huawei und Xiaomi, während bei Oneplus keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.
Dem Bericht zufolge wurden die Geräte Huawei P40 5G, Xiaomi Mi 10T 5G und Oneplus 8T 5G untersucht. Diese genannten Risiken dürften jedoch auch andere Geräte von Huawei und Xiaomi betreffen. So wurde im Falle von Huawei moniert, dass die Nutzer vom offiziellen Appstore aus automatisch zu anderen Anbietern geleitet würden, wenn die gesuchten Apps nicht in der App-Gallery vorhanden seien. Die Apps bei solchen Anbietern seien jedoch teilweise mit Malware infiziert.
Als problematisch wird bei Xiaomi-Geräten der vorinstallierte Mi-Browser eingeschätzt. Dieser nutze nicht nur Google Analytics, sondern auch Chinese Sensor Data, das Daten von bis zu 61 Gerätefunktionen sammele und regelmäßig übertrage. Nach Ansicht des Cybersicherheitszentrums handelt es sich dabei um eine „überzogene Datensammlung von Nutzeraktivitäten“. Diese Daten würden von Xiaomi in Drittstaaten gesendet, in denen die Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nicht erfüllt würden.
Chinesische Begriffe werden zensiert
Dem Bericht zufolge verfügen die Xiaomi-Geräte zudem über eine eingebaute Zensurfunktion. Mehrere Apps, darunter der Mi Browser, laden demnach regelmäßig eine Liste mit verbotenen Schlüsselwörtern herunter. Wenn ein Nutzer Inhalte herunterlade, die solche Schlüsselwörter enthielten, werde der Download automatisch blockiert. „Zum Zeitpunkt der Untersuchung enthielt die Liste 449 Schlüsselwörter und Schlüsselwortkombinationen in chinesischen Schriftzeichen, zum Beispiel Freies Tibet, America’s voice, demokratische Bewegung, Lang lebe das demokratische Taiwan usw.“, heißt es in der Mitteilung.
Allerdings sei diese Funktion in offenbar nicht aktiv, obwohl die Liste regelmäßig aktualisiert werde. „Das Gerät ist technisch in der Lage, jederzeit ohne Zustimmung des Nutzers die Funktionalität aus der Ferne zu aktivieren und mit Zensur der heruntergeladenen Inhalte zu beginnen. Wir schließen nicht aus, dass die Liste der verbotenen Schlüsselwörter auch mit lateinischen und nicht nur mit chinesischen Schriftzeichen genutzt werden kann“, hieß es weiter.
Nutzer sollen Geräte wieder loswerden
Ein weiteres Risiko betrifft dem Bericht zufolge die Nutzung von Xiaomis Cloud-Dienst. Die Aktivierung des Dienstes erfordere das Senden einer verschlüsselten SMS-Nachricht, die nicht auf dem Gerät gespeichert werde. „Die Ermittler waren nicht in der Lage, die verschlüsselte Nachricht zu lesen und ihren Inhalt zu überprüfen“, schreibt das Sicherheitszentrum. Das stelle „eine potenzielle Bedrohung für die Sicherheit personenbezogener Daten dar, da es die Erhebung und Übertragung nicht identifizierbarer personenbezogener Daten an Server in Drittländern ermögliche“.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sagte Litauens stellvertretender Verteidigungsminister Margiris Abukevicius bei der Vorstellung des Berichts: „Wir empfehlen, keine neuen chinesische Telefone zu kaufen und bereits gekaufte so schnell wie möglich loszuwerden.“
Zwischen Litauen und China ist es in den vergangenen Monaten zu diplomatischen Spannungen gekommen. Hintergrund ist die Entscheidung Litauens, dass Taiwan in dem baltischen Land eine Vertretung unter dem Namen Taiwan eröffnen darf und dafür nicht die Bezeichnung Chinesisch Taipeh verwenden muss. China zog daher seinen Botschafter aus Vilnius ab und verwies die litauische Botschafterin des Landes.